Zeit sichtbar machen: Wie ein Wochenkalender Orientierung, Sicherheit und Sprache fördert

Wochenkalender

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Digitaler Kalender, Familien­kalender, Business Kalender, Fotokalender – und nun geht es auch noch um einen audio­pädagogischen Wochen­kalender…?!

Was im ersten Moment wie ein lästiger Zusatzaufwand aussieht, entfaltet über Monate und Jahre hinweg einen nachhaltigen Nutzen und macht dazu auch noch viel Spass.

Sieben Stoffstreifen mit Täschchen

Der Wochenkalender wird aus sieben Stoffstreifen hergestellt, die nebeneinander an einer Holzleiste angehängt werden – ein Streifen für jeden Wochentag. Jeder Stoffstreifen wird mit drei oder vier Täschchen bestückt, je nachdem, wie man sich die Tageseinteilung wünscht. Vormittag / Nachmittag / Abend sind im Kleinkindalter ideale Unterteilungen. Sind aber beispielsweise mittags unterschiedliche Mittagstische ein wichtiges Element im Tagesablauf, lässt sich auch diese Rubrik problemlos mit anbringen.

Die Stoffstreifen werden mit Ösen versehen, damit man abends den zu Ende gehenden Tag umdrehen kann.

Die Täschchen können beispiels­weise mit einer aufgehenden Sonne für den Morgen / Vormittag, einer am Himmel stehenden Sonne für den Mittag / Nachmittag und einem Bild mit Mond und Sternen für den Abend / die Nacht geschmückt werden.

Anwendung

In die Täschchen werden Fotokarten von Familienmitgliedern, weiteren Bezugspersonen und Situationen einsortiert, die über die kommenden Aktivitäten Auskunft geben.

Idealerweise morgens nach dem Aufstehen – und sobald die Audioprozessoren der CIs oder die Hörgeräte getragen werden – wird mit dem Kind zusammen geschaut und besprochen, was der Tag bereithält.

Bei Anlässen später in der Woche, auf die noch länger gewartet werden muss, kann gezählt werden, wie oft man noch schlafen muss, bis der Anlass da ist.

Auch im Verlauf eines Tages kommen vielleicht Themen auf, die mithilfe des Wochenkalenders nachhaltiger geklärt werden können. So wird der Wochenkalender immer mehr zu einer Kommunikations- und Strukturierungshilfe.

Abends wird gemeinsam auf den Tag Rückschau gehalten, es wird besprochen, was besonders eindrücklich war, vielleicht wird auch noch die Gutenachtgeschichte oder das Gutenachtlied ausgesucht. Auf jeden Fall wird dann der Tag, d.h. der Stoff-Streifen des zu Ende gehenden Tages, gemeinsam umgedreht zum Zeichen, dass er vergangen ist und am nächsten Morgen ein neuer Tag da ist.

Fotokarten

Damit die Täschchen der Wochenkalender fortlaufend mit den kommenden Aktivitäten bestückt werden können, ist es bei wiederkehrenden Aktivitäten sinnvoll, gleich mehrere Kärtchen davon zu erstellen. Sei dies der Weg in die Kita, die Verabschiedung der Elternteile zu ihren beruflichen Tätigkeiten oder der Schulweg eines Geschwisterkindes.

Für Einkäufe, Termine oder andere einmalige oder wiederkehrende Erledigungen eignet es sich ebenfalls, eigene Fotokärtchen zu erstellen, ebenso natürlich für weitere Personen aus der Verwandtschaft und dem Freundeskreis, die immer mal wieder vorbekommen.

Es können auch problemlos mehrere Fotokarten in einem Täschchen stecken, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt gleich mehrere Dinge stattfinden.

Zeitlicher Überblick

Neben den konkreten Inhalten, die mit den Fotokarten besprochen werden, ist der zeitliche Überblick wertvoll, der fortlaufend mit angeboten wird. Dass etwas «übermorgen» stattfindet oder «du noch dreimal schlafen musst, bis…» gibt dem Kind ein immer neues Übungsfeld über zeitliche Bezüge, die in den alltäglichen Gesprächen sonst eher zu kurz kommen.

Vorinformationen schaffen Sicherheit

Kinder mit Hörbeeinträchtigungen erleben häufig, dass ihnen zwar inhaltliche Zusammenfassungen von dem gegeben werden, was ihre Bezugspersonen wichtig finden, dass dabei aber häufig zeitliche Informationen verloren gehen – mangels Zeit!

Hierbei schafft der Wochenkalender ebenfalls Ruhe und Klarheit, indem das Kind schon anhand des Fotos die Bestätigung bekommt, dass beispielsweise gerade über den nächsten Besuch bei der Pädakustikerin gesprochen wird oder dass für den nächsten Termin das Abholen der bunten Hörgeräte vorgesehen ist. Jede Vorinformation ist wesentlich, hilft mit, sich auf eine Situation einstellen und einlassen zu können, allenfalls vorhandene Sorgen und Ängste zu reduzieren und der Vorfreude auf ein Ereignis Raum zu geben.   

Rätsel, Überraschungen und geheimnisvolle Andeutungen

Sobald man den Eindruck hat, dass die tägliche Anwendung des Wochenkalender zu einer etwas langweiligen Pflichtübung verkommt, lässt sich mit kleinen Überraschungen ein neuer Schub an Emotionalität einflechten. «Schau mal beim Mittwoch­nachmittag nach. Was ist dort versteckt?» Vielleicht findet das Kind dort eine kleine Überraschung. Möglicherweise findet es aber auch eine weitere Instruktion, wo es weitersuchen kann. «Schau mal in den grünen Gummistiefeln auf der Kellertreppe nach.» So lässt sich das Spiel beliebig erweitern.

Oder kommt jemand vielleicht mit einem Hund zu Besuch? Dann kann man beispielsweise mit der hinzugefügten Silhouette eines Hundes auf dem Fotokärtchen des Besuches andeuten, dass da noch «jemand mit vier Pfoten» mit dabei sein wird. «Wer könnte das denn sein? Was braucht er, wenn er das erste Mal zu uns kommt? Hat er vielleicht Durst? Oder freut er sich über ein Hundegutzeli?»

Je lebensnäher, freudiger, überraschender und echter die Kommunikations­anlässe sind, desto rascher wird der Zielwortschatz aufgenommen, es wird zeitliches Verständnis aufgebaut und gefestigt und … es macht allen Spass!