Blumige Sprache
Der sanfte Einstieg ins spätere Verständnis von Redewendungen wird schon früh durch die Verwendung einer im sympathischen Sinn blumigen Sprache gelegt. Das Kind lernt auf diese Weise, dass einzelne Begriffe als Vergleich herbeigezogen werden können, um einen Sachverhalt besonders ausdrucksstark zu beschreiben. Aus dem Verständnis einzelner Begriffe werden im Laufe der Zeit immer komplexere Zusammenhänge, bis das Kind ganze Allegorien verstehen kann.
Erschwernis
Wie kommt es nun, dass das Verstehen und Anwenden von bildhafter Sprache eine besondere Hürde darstellt? Kinder mit Hörbeeinträchtigungen sind in der Regel schon über Jahre hinweg damit beschäftigt, einen altersgemässen Wortschatz aufzubauen. Störgeräusche, eine zu grosse Ansprechdistanz, ein eingeschränktes Richtungsgehör und das Durcheinanderreden im Alltag sind Beispiele für einige Faktoren, die bereits den ganz grundlegenden Wortschatzaufbau belasten können.
Um nun Redewendungen verstehen zu können, muss das Kind sich eine Situation abstrakt vorstellen und die zentrale Aussage mit der aktuellen Situation abgleichen können.
Die Fähigkeit Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und zudem Inhalte miteinander zu vergleichen, ist eine sehr anspruchsvolle Denkleistung.
So ist es nachvollziehbar, dass die Sprachverarbeitung auf der Meta-Ebene, die beim Verstehen von bildhafter Sprache erforderlich ist, eine zusätzliche Erschwernis darstellt, die nicht so einfach zu bewältigen ist und viel Aufmerksamkeit und Übung erfordert.
Kulturelles Wissen
Durch den häufig mit Verzögerung verlaufenden Spracherwerb mit all seinen Facetten wird auch kulturelles Wissen oft erst mit einiger Verzögerung und immer mit grossem Aufwand gelernt. Dass dadurch beispielsweise seltenere Redewendungen mit Bezug zu örtlichen oder landesbezogenen Gebräuchen und Anlässen erst spät verstanden und noch später angewendet werden, ist gut nachvollziehbar.
Begriffe erforschen
Ganz generell ist es eine spannende Beschäftigung, mit dem Kind zusammen die Anwendung verschiedener Begriffe zu entdecken und sie ausgiebig zu erforschen.
Die dabei entstehenden Gespräche sind immer wieder neu und überraschend. Sie lassen uns dankbar staunen, wie umfassend sich ein Spracherwerb auch unter den erschwerenden Bedingungen einer Hörbeeinträchtigung vollzieht.